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Zukunftsfähige Teams - Wie Teamarbeit wirkungsvoll gelingen kann

Persönlichkeiten im Team – Teamgeist, Teamfähigkeit und Teamrollen

Teamarbeit ist im Grunde Zusammenarbeit mit anderen. Die Interpretationen und das Verständnis von Teamgeist unterscheidet sich individuell und von Unternehmenskultur zu Unternehmenskultur mitunter recht stark. Für die einen bedeutet echte Teamatmosphäre, dass sich Kollegen auch die Freizeit teilen. Für andere ist jemand bereits ausreichend teamfähig, wenn er in einer Gruppe mit den anderen Gruppenmitgliedern auskommt und auch andere Mitglieder und deren Meinungen gelten lassen kann, ohne zu versuchen, die Gruppe ständig zu dominieren.

Unter Teamfähigkeit lässt sich vor allem der Willen und das Vermögen des Einzelnen subsumieren, gemeinsam mit anderen an gemeinsamen Zielen zu arbeiten und sich in eine Gruppe einzuordnen. Und dabei wird es spannend. Zum Einordnen in eine Gruppe gehört:

  • gewisse gruppendynamische Prozesseund eine grundlegende Gruppendemokratie anzuerkennen,
  • verschiedenen Menschentypen und Rollen in Gruppen zu (er)kennenund zu akzeptieren sowie
  • Unterschiede und Gemeinsamkeiten für maximale Effektivität und Effizienz in der gemeinsamen Arbeit in synergetischem Sinne zu nutzen.

Verschiedene Menschentypen und Rollen in Teams

Weil nicht alle Menschen dieselben Eigenschaften und sozialen Fähigkeiten mitbringen, fokussieren sich Organisationspsychologen und Teamforscher weniger auf die Teamfähigkeit des Einzelnen. Entscheidender für eine wirkungsvolle Zusammenarbeit sei vielmehr die Zusammensetzung der Gruppe.

Hinsichtlich Teamarbeit wird in den meisten Fällen einfach losgelegt. Fachliche Expertise wird zusammengebracht und die Erwartungshaltung ist, „das wird schon gehen“. Doch die Praxis zeigt, dass oft gravierende Probleme in der Zusammenarbeit entstehen. Unterschiedliche fachliche und berufliche Fähigkeiten der Teammitglieder sind nur eine Seite der Medaille.

Die andere Hälfte des Team-Erfolgs liegt in persönlichen Stärken. Erfolg braucht auch unterschiedliche Charaktere. Verhalten prägt ein Team. Der beste Analytiker versteht alles, er hat den kompletten Durchblick, aber ihm fehlen eigene Ideen und alternative Optionen. Der kreative Spinner begeistert alle mit seinen Visionen, setzt aber nichts um. Spinner und Kritiker, Strategen und Kreative sind selten in einer Person vereint. Die Rampensau ist ein Entertainer und vielleicht kein Perfektionist, der auf alle Details achtet. Die Rampensau zieht Menschen in den Bann, während ein Perfektionist möglicherweise auf der Bühne sterben würde, denn Spontanität ist nicht bis ins Detail planbar. Der kreative Spinner dagegen liebt Überraschungen und Spontanität. Wenn Angebot und Service top sein sollen, müssen alle Details vom Perfektionisten beachtet werden. Wer Kunden und Partner gewinnen will, braucht den Entertainer, um Menschen zu begeistern.

Ein Beispiel:

Ein Bootsbauer hat viel Geld verloren, weil eine ausgelieferte Yacht einige Mängel hatte, die im Nachhinein aufwendig behoben werden mussten. In einer Retrospektive wurde festgestellt, dass die Teamrollen für den Yachtbau nicht richtig besetzt waren. Die Verantwortung für die Endabnahme der Yacht lag beim zuverlässigen Produktionsleiter, der allerdings kein Perfektionist ist. Doch genau den braucht es für die Qualitätsprüfung vor Auslieferung, damit alle eventuellen Mängel noch im Werk behoben werden können.

9 Teamrollen nach Belbin

Ein bekanntes Modell / Instrument für die Identifikation verschiedener Potentiale von Teammitgliedern sowie deren Unterschiedlichkeiten zu beschreiben sind die Teamrollen nach Meredith Belbin, britisher Psychologie-Professor. Schon in den Siebzigerjahren fand er heraus, dass für den Gruppenerfolg nicht der Scharfsinn des Einzelnen ausschlaggebend ist. Ausschlaggebend ist, wie sich die einzelnen Persönlichkeitsprofile, ihre Stärken und Schwächen, im Team ergänzen und beeinflussen.

Belbin geht davon aus, dass Menschen sich abhängig von ihren Persönlichkeitsmerkmalen unterschiedlich verhalten und eine typische Rolle einnehmen. Eine Rolle ist hierbei eine Tendenz, sich auf eine bestimmte Weise zu verhalten und mit anderen zusammenzuarbeiten. Herausgekommen sind 9 Teamrollen, die idealerweise in einem ausbalancierten Team vertreten sein sollten.

Anhand eines Fragebogens kann ein jeder seine Potentiale identifizieren und somit seine Stärken in der Teamarbeit einbringen. Dabei kann es durchaus sein, dass 2 oder 3 Teamrollen in Frage kommen.

Nutzen und Vorteile

Selbstreflexion ist wichtig. Und so bringt auch dieses Modell einige Vorteile mit sich:

  • Teammitglieder können ihr eigenes Verhalten besser verstehen.
  • Teammitglieder können gezielt an ihren Schwächen arbeiten – Erkenntnis ist der erste Weg zur Besserung.
  • Führungskräfte verstehen das Verhalten ihrer Teammitglieder besser und können ihnen passende Aufgaben zuweisen.
  • Führungskräfte können Teams gezielt so zusammenstellen, dass ein ausbalanciertes Team entsteht.
  • Alle Beteiligten wissen über bestimmte Verhaltensweisen Bescheid und können gegenseitig auf Stärken und Schwächen eingehen.
  • Das Verständnis untereinander wird gestärkt.

Natürlich hat Belbins Rollenmodell auch Schwächen. Im Alltag kommt es kaum vor, dass Teams aus genau diesen neun Personen gebildet werden. Die Zusammensetzung richtet sich vielmehr oft danach, wer gerade verfügbar ist, nach Hierarchie, nach fachlicher Kompetenz.

Ebenso vernachlässigt Belbin, dass es so etwas wie eine Chemie, Konkurrenzstreben und Aversionen zwischen Teammitgliedern geben kann, was deren gemeinsame Arbeit erheblich stört.

Nützlich ist das Teamrollen-Konzept dennoch: Es schärft die Selbstwahrnehmung.

  • Welche Rollen sind im Team schon besetzt?
  • Welche passt mir am besten?
  • Welche Teamrolle fehlt uns noch?

Für einen noch genaueren und ganzheitlichen Blick in die Potentialbetrachtung für Teammitglieder gibt es zahlreiche Werkzeuge innerhalb der Personaldiagnostik, auf die wir hier nicht weiter eingehen.               

Fazit: Unterschiedliche Persönlichkeitstypen und das Bewusstsein darum sind eines der Geheimnisse für zukunftsfähige Teams. Daneben gibt es natürlich auch noch andere einflussnehmende Faktoren, angefangen bei einem gemeinsamen Verständnis über Aufgaben und Ziele.